warum Kreditkarten böse/lieb sein können

Kreditkarten sind ein sehr bequemes Zahlungsmittel, aus meiner Sicht sogar _DAS_ Zahlungsmittel. Von Bargeld halte ich nicht viel, da es zu teuer ist. Warum erkläre ich in meinem englischsprachigen Artikel.

Sorten von Kreditkarten

Doch gibt es 4 Sorten Kreditkarten, wenn man nach dem Abrechnungssystem geht. Eine Sorte ist Fluch, die Andere Segen.  Ich habe alle vier Sorten von Kreditkarten persönlich im Einsatz. Von einer Sorte habe ich mich nach einer längeren Geschichte verabschiedet und darf ausdrücklich davor warnen. Die Sorten sind: Credit Card, Charge Card, Debit Card und Prepaid Card. Im nachfolgenden werde ich im Detail auf die einzelnen Sorten eingehen.

Warnung vor der “Credit Card”

Definition

Bei der “Credit Card” werden die Umsätze auf einem Kartenkonto gesammelt und einmal pro Monat abgerechnet. Der offene Betrag wird in Raten bezahlt, so werden auch Kreditzinsen in Rechnung gestellt. Meist legt der Kartenemittent einen Mindestbetrag fest, welcher pro Rate gezahlt werden muss. Der Kunde erhält einen Verfügungsrahmen, innerhalb dessen er Kreditkartenumsätze tätigen kann. Es ist möglich das Kartenkonto auf Guthabenbasis zu führen, im Regelfall werden Kreditkartenkonten von “Credit Cards” jedoch auf Kredit geführt. Guthaben werden grundsätzlich verzinst, wobei die Höhe der Zinsen stark variieren kann.

Erläuterung

Davor sei gewarnt. Niemals würde ich einer Privatperson empfehlen, eine “Credit Card” zu nehmen. Zum Einen hat man die Möglichkeit, Geld auszugeben, das man gar nicht besitzt, da das Kreditkartenkonto ins Minus geführt wird, um dann in Raten ausgeglichen zu werden. Zum Anderen ist durch die “bequeme” Ratenzahlung das Bewusstsein nicht vorhanden, wie viel Geld man dem Kreditinstitut in Wirklichkeit schuldet. Der Umstand, dass der Betrag durch Ratenzahlungen wesentlich länger offen bleibt, ist eine Freude für das Kreditinstitut, da so Sollzinsen erhoben werden können. Alles in Allem meint man, Liquide zu sein, bezahlt das allerdings mit 14,98% Sollzins pro Jahr. Rechnet man die Verschleppung ins nächste Abrechnungsjahr und den Zinseszins dazu, kommt man auf solide 16,02% effektiven Jahreszins.

Persönliche Erfahrung

Die Story mit der Landesbank Berlin Visa Card

Ich möchte ein Beispiel aus persönlicher Erfahrung einbringen und weiß, dass nicht nur ich auf die Masche der “Credit Card” hereingefallen bin.

Bei einem Amazon-Einkauf vor 5 Jahren wurde ich zum wiederholten Male darauf hingewiesen, dass ich für diesen Online-Einkauf 30 Euro geschenkt bekommen würde, hätte ich nur eine stylisch aussehende Amazon.de Visa Card. Nachdem nach Abzug der 30€ ein Betrag herauskam, der für den anzuschaffenden Artikel die Schmerzgrenze zum Einkauf noch einmal deutlich gesenkt hatte, habe ich mich entschieden, diese Visa Kreditkarte direkt “mitzubestellen”. Die 30€ hatte ich mir für den Einkauf in der Tat gespart und mir wurden gleich schöne Amazon-Punkte für meinen Einkauf gutgeschrieben. Mit 1000 solcher Punkte bekommt man einen 10€ Einkaufsgutschein bei Amazon oder kann alternativ die Kartengebühr im zweiten Jahr um 10€ senken, das erste Jahr ist ohnehin geschenkt. Der Verfügungsrahmen für die Amazon.de Visa Card, ausgestellt von der Landesbank Berlin, lag von vorne herein bei 2500€. Die Zahlungsrate lag bei 10% vom offenen Rechnungsbetrag, mindestens aber 50€ im Monat.

Nun fühlt man sich als junger Mensch megareich. “Yey, ich habe 2500€ zur Verfügung. Was kaufe ich mir davon?” Dann besinnt man sich und stellt fest, dass man dann nach einem Einkauf in solcher Höhe 250€ im ersten Monat abzuzahlen hat. “Das kann ich mir doch leisten” denkt man sich dann und beginnt sich kleinere Wünsche zu erfüllen. “Die goile Jacke für 250 Tacken wollt ich schon immer haben. Die kostet mich ja quasi dann nur 25€ im Monat. Ja, das mach ich.” Katsching und “ja, bitte packen Sie mir die in eine Tüte”. Dann einmal, zweimal, dreimal Essen gehen. “Kost mich quasi ja nur 10% am Ende des Monats” Da vom offenen Rechnungsbetrag nur 10% vom Girokonto abgebucht werden, fühlt man, auch nur diese Menge ausgegeben zu haben. Dieses Zehntel ist für die Meisten auch ohne großen Schmerz leistbar. Nur erschrickt man nicht vor dem großen offenen Betrag auf dem Kreditkartenkonto. Der Umstand dass monatlich nur 10% des offenen Betrags abgebucht werden führt auch dazu, dass der Kredit immer langsamer abgetragen wird. Angenommen man würde sich eine Menge “kleinerer” Wünsche erfüllen, kommt über einige Monate auf einen Betrag von -1700€ auf dem Kreditkartenkonto und hört dann schleunigst mit dem Einkaufen auf, da 170€ Monatsraten dann doch irgendwie die Schmerzgrenze werden. Dann sieht die Rechnung so aus:

 Monat Kreditkartenkonto Brutto-Rate Zins Netto-Rate Neuer Kontostand
1  1.700,00  170,00  21,22  148,78  1.551,22
2  1.551,22  155,12  19,36  135,76  1.415,46
3  1.415,46  141,55  17,67  123,88  1.291,59
4  1.291,59  129,16  16,12  113,04  1.178,55
5  1.178,55  117,86  14,71  103,14  1.075,41
6  1.075,41  107,54  13,42  94,12  981,29
7  981,29  98,13  12,25  85,88  895,41
8  895,41  89,54  11,18  78,36  817,05
9  817,05  81,70  10,20  71,51  745,54
10  745,54  74,55  9,31  65,25  680,30
11  680,30  68,03  8,49  59,54  620,76
12  620,76  62,08  7,75  54,33  566,43
13  566,43  56,64  7,07  49,57  516,86
14  516,86  51,69  6,45  45,23  471,63
15  471,63  50,00  5,89  44,11  427,51
16  427,51  50,00  5,34  44,66  382,85
17  382,85  50,00  4,78  45,22  337,63
18  337,63  50,00  4,21  45,79  291,84
19  291,84  50,00  3,64  46,36  245,49
20  245,49  50,00  3,06  46,94  198,55
21  198,55  50,00  2,48  47,52  151,03
22  151,03  50,00  1,89  48,11  102,92
23  102,92  50,00  1,28  48,72  54,20
24  54,20  50,00  0,68  49,32  4,88
25  4,88  50,00  0,06  49,94  –

Dabei läuft es so, dass 10% vom offenen Betrag abgebucht werden und dann der Kreditzins dafür berechnet wird. Manche Banken verfahren so, dass der Kreditzins nur quartalsweise auf dem Kreditkartenkonto erscheint, damit man die Tatsache immer mal wieder vergisst, dass es einen Finanzierungszins gibt. Alles in Allem hat man der Bank einen Zins von 209€  bezahlt, da es 25 Monate gedauert hat, 1700€ zurückzubezahlen. Einen Betrag, den man sich “aus Versehen” zu Schulden kommen hat lassen, da ja 170€ im Monat “nicht so viel Geld” ist und man durch den Kontrollverlust einen Berg Schulden angehäuft hat.

Natürlich ist man an der Sache selbst Schuld. Allerdings ist dazu zu sagen, dass das ganze System “Credit Card” so aufgebaut ist, es Leuten sehr einfach zu machen, Geld auszugeben und die Kontolle zu verlieren. Einen Verfügungsrahmen von 2500€ einem 20-jährigen zur Verfügung zu stellen ohne jegliche Prüfung seiner Finanzsituation ist von Seiten der Bank eine unlautere Machenschaft beziehungsweise ja eher grob-fahrlässige Arglist.

Noch eine kleine Geschichte nebenbei

Die Landesbank Berlin beziehungsweise einer ihrer beauftragten Call Center riefen mich eines Tages an, ich könne einen beliebigen Betrag auf mein Girokonto auszahlen lassen, ich müsse nur einen Betrag nennen und schon könnte ich darüber verfügen. Natürlich nur bis zur Höhe meines Verfügungsrahmens, damit sie auch seriös wirkten. Ich habe damals laut gelacht und aufgelegt. Allerdings bin ich mir sicher, dass etliche auf diese Versuchung hereingefallen sind und sich einen Betrag haben auszahlen lassen, den sie mühsam wieder abstottern müssen. Nachdem ich realisiert habe, wie Mies diese Masche mit dem telefonischen Angebot eigentlich ist, wollte ich herausfinden, wer auf solche Gedanken kommt. Klar, für die Landesbank Berlin ist das gut, denn höhere offene Kreditkartenkontenbeträge bedeuten einen höheren Kreditzinsbetrag und längere Kreditkartenlaufzeiten und damit verbunden höhere Kreditkartengebühren. Selbstverständlich habe ich nichts über diese armselige Kampagne herausfinden können, da die Dame, die ich unter der Rückrufnummer erreichte entweder nichts wusste oder angewiesen war, keine Auskunft zu erteilen. Spannend war auch, die Dame auf meine Frage hin: “Sind Sie von der Landesbank Berlin”, sagen zu hören: “Ja, wir sind Partner der Landesbank Berlin”. Auf Deutsch also: Wir sind CallCenter XY in Hinterkuhkaffhausen und haben der Landesbank Berlin eine Kampagne aufschwatzen können. So dürfen sie sich Partner der Landesbank Berlin nennen, was natürlich wesentlich besser klingt als CallCenter XY.

Warnung

Nein, Niemals, Nicht, Pfui, keine LBB, keine Amazon Visa, keine “Credit Card”

Empfehlung einer “Prepaid Card”

Definition

Die Prepaid Card stellt eine besondere Form der Kreditkarte dar, da es sich hierbei nur um eine Guthabenkarte handelt. Dies bedeutet, dass Verfügungen nur über im Voraus eingezahltes Guthaben möglich sind, so dass es sich dem Wortsinn nach nicht mehr um eine echte Kreditkarte handelt, da kein Kredit zur Verfügung gestellt wird. Eine Aufladung des Guthabens ist per Überweisung oder kann mittels Bareinzahlung erfolgen. Prepaid Kreditkarten können auch ohne Schufa-Abfrage ausgestellt werden und bieten somit auch bei negtiven Einträgen die Möglichkeit für eine Kreditkarte.

Erläuterung

Bei einer “Kreditkarte” dieser Sorte, hat man als maximale Auszahlung nur den Betrag zur Verfügung, der auf dem Kreditkartenkonto zur Verfügung steht. Da von einem Guthabenkonto abgebucht wird, kann man kein Geld ausgeben, das man nicht hat.

Persönliche Erfahrung

Ich habe bei der Fidor Bank in München eine PrePaid Master Card. Mit dieser Kreditkarte fühlt man richtiggehend die Kontrolle, die man über seine Ausgaben hat. Sofort nach einer Zahlung oder Abhebung mit der Karte erhält man eine E-Mail, welche Firma wie viele Euros abbuchen wird. Der Betrag wird auf dem Girokonto sofort vorgemerkt, man hat um diesen Betrag weniger zur Verfügung. Am Tag der eigentlichen Abbuchung des Betrages, wird die Vormerkung wieder ausgeglichen und der tatsächliche Betrag abgebucht. Da lernt man auch einiges über das Wirkprinzip von Kreditkarten.

Die Story mit dem Taxi

Ich ziehe in einem Taxi in Düsseldorf meine Karte durch den Automaten, erhalte sofort eine E-Mail über den Betrag und wie das Taxiunternehmen heißt, schneller noch, als der Taxifahrer die Bestätigung aus der Zentrale erhält. Auf dem Konto wird dieser demnächst fällige Betrag vorgemerkt (in Form eines Buchungssatzes) für mich völlig transparent und ersichtlich. Auf der anderen Seite ist diese Vormerkung oder “Sperrung” die Bestätigung für das Taxiunternehmen, dass meine Kreditkarte gedeckt ist. Tage später, wenn die Zentrale ihre Abrechnung durchführt,  wird der Betrag tatsächlich von meinem Konto abgebucht und der vorher gesperrte Betrag wieder gut geschrieben. Außerdem bin ich nur in der Lage, Geld auszugeben, dass auf dem Girokonto vorhanden ist. Dieses wird gleichzeitig als PrePaid Kreditkartenkonto benutzt.

Empfehlung

Die Erfahrungen mit der Fidor Bank PrePaid Master Card sind durchweg positiv. Vermutlich ist es auch nur die Fidor Bank, die derart transparent mit Geld umgeht. Bei welcher anderen Bank erfahre ich sofort, wie viel Geld auf meiner Kreditkarte vorgemerkt ist. Bei den meisten bekomme ich das doch erst mit, wenn der Betrag tatsächlich abgebucht wurde. Die Karte kostete mich keinen Euro. Kartengebühr pro Jahr ist ebenfalls Null Euro. Und Kreditzins… welcher Kreditzins? Das ist eine PrePaid Card, das Geld, das ich ausgebe liegt schon längst auf meinem Konto. Im Gegenteil, ich erhalte einen Guthabenzins von 1,2% p.a. bei der Fidor Bank.

Kreditkarte die jeder mit Girokonto schon hat: “Debit Card”

Definition

Bei Debit Cards werden die Umsätze mit der Kreditkarte taggenau zinswirksam erfasst. Die Abrechnung kann taggenau über das Girokonto des Kunden erfolgen oder es kann ein Kartenkonto in der Form eines Kontokorrentkontos geführt werden. Bei der Führung eines Kartenkontos wird auch hier ein monatlicher Verfügungsrahmen zur Verfügung gestelt und es erfolgt auch hier eine monatliche Abrechnung. Durch die taggenaue zinswirksame Abrechnung hat der Karteninhaber jedoch keinen Zahlungsaufschub und somit keine Kreditierungsfunktion bis zur Rechnungsstellung.

Erläuterung

Im Grunde genommen kennt diese Kartensorte jeder. Es ist die EC-Karte. Auch bekannt als Bankomatkarte, Girokarte oder sonstige Bezeichnungen. Bei dieser Karte wird der Betrag direkt von einem Kontokorrentkonto – besser bekannt als Girokonto – abgebucht.

Persönliche Erfahrung

Mit der EC-Karte ist bargeldloses Bezahlen fast überall möglich. Wenn es ums zahlen geht, bevorzuge ich aber fast schon die Fidor PrePaid Master Card, da erhalte ich sofort eine E-Mail, wie viel ich bei welcher Firma zahlen werden muss. Das habe ich mit einer EC-Karte nicht. Die meisten Firmen lassen eine Bezahlung mit EC-Karte bei jedem beliebigen Betrag zu. In einem Media Markt in Düsseldorf musste ich mit EC zahlen, da Kreditkartenzahlungen erst ab 200€ angenommen wurden. Nun ja, auch egal.

Die Kreditkarte der Hausbank, die “Charge Card”

Definition

Die gängigste Form der Kreditkarte in Deutschland sind Charge Cards. Bei diesen werden die Umsätze auf einem Kartenkonto gesammelt. Einmal pro Monat werden diese abgerechnet und das Konto des Kunden per Lastschrift mit dem Gesamtbetrag belastet. Grundsätzlich wird dem Karteninhaber ein persönliches Kreditlimit zur Verfügung gestellt, bis zu welchem er innerhalb eines Monats durch Umsätze mit der Kreditkarte verfügen kann.

Erläuterung

Im Gegensatz zur EC-Karte oder der Abrechnungsform der “Debit Card” hat man neben seinem Girokonto noch ein Kreditkartenkonto, das ins Minus geführt wird. Bis zu einem gewissen Verfügungsrahmen kann man so Geld ausgeben. Zum Monatsende hin wird der offene Betrag auf dem Kreditkartenkonto per Lastschrift auf 0 (= NULL) ausgeglichen.

Persönliche Erfahrung

Das Gute ist, dass man durch denVerfügungsrahmen im hemmungslosen shoppen eingeschränkt ist und spätestens nach einem Monat der Kreditbezahlt ist. Somit hat man ein besseres Gefühl dafür, wie viel man ausgegeben hat und es werden keine Kreditzinsen fällig (Vorausgesetzt, man ist bei einer vernünftigen Bank). Ich habe eine “Charge Card” in Form einer Master Card. Manche Online-Einkäufe tätige ich mangels Alternative mit dieser Master Card. Angenehm auch, dass Europaweit keine Auslandsgebühren fällig werden. Zudem ist diese Karte gebührenfrei für mich als Kunde bei meiner Hausbank. Der Abrechnungszeitraum von einem Monat ist ab und an ganz praktisch, da man damit manche Beträge bis zum Monatsende ganz gut zinsfrei gestundet bekommt. Auf der anderen Seite ist es auch manchmal schade, da man nicht auf einen Blick weiß, wie der aktuelle Kontostand nun ist, ohne vorher gerechnet zu haben. Auch, das getätigte Umsätze erst Tage später auf dem Kreditkartenkonto aufscheinen führt nicht unbedingt zu einem Pluspunkt.

Fazit

Go, Prepaid, Go! Eine Prepaid Card zu haben ist ein großer Segen, da man damit zu jedem Zeitpunkt informiert ist, wie viel Geld man nun wirklich auf seinem Konto hat. Charge Card und Debit Card sind sehr weit verbreitet und tolerierbar, dennoch mit Vorsicht zu genießen. Die Credit Card ist ein no-go und ist von vorne herein darauf ausgelegt, den Inhaber zum Kontrollverlust über seine Finanzsituation zu bringen.

Quellen

Finance Know-How

Merriot School (Excel Dokument zur Berechnung der Abzahlung)