Zeiten schlechter Presse

in letzter Zeit häufen sich Angebote von Satire-Nachrichtenseiten. Als es nur Der Postillion war, war das ja alles noch witzig. Inzwischen aber ist das Angebot dieser “falschen Propheten” so weit verbreitet, dass es immer schwieriger wird, Faktenberichte von satirischen Angeboten zu unterscheiden.

Es gab mal Zeiten, da hatte man in diversen Redaktionen genügend Zeit, sogenannte “Enten” loszuschicken. Heute bilden sich gesamte Enten-Redaktionen und Enten-Portale. Quak Quak.

Was mal wirklich witzig war, ist es nicht mehr. Die lieben Trittbrettfahrer sollten sich aus meiner Sicht alle auf maximal 3 Plattformen verlustieren. Nach dem allgemeinen Niveau, das in den Medien in letzter Zeit so vorherrscht, wo der Ehrenkodex eines Journalisten an sehr vielen Stellen scheinbar nicht mehr ganz so ernst genommen wird oder schlicht die Ehre fehlt (jeder möge das für sich selbst beurteilen), sollte man sich den Konsumenten der Nachrichten ins Gedächtnis rufen. Abgesehen davon, dass man außerhalb des deutschsprachigen Raumes Satire als Konzept schlicht nicht versteht, können deutschsprachige Leser auch oft genug Satire von Fakten nicht unterscheiden. Wenn ich mir die Kommentare zu den diversen Satire-Meldungen so durchlese, bin ich überzeugt, dass es sich nicht um Einzelfälle handelt. Im Allgemeinen halte ich diese Häufung von Satireseiten für einen Missbrauch des Grundvertrauens aller Leser. Nämlich das, dass Nachrichten die Sachlage so akkurat es nur möglich ist objektiv widerspiegeln und alles getan wurde, um Meldungen vor der Veröffentlichung zu bestätigen und für die Öffentlichkeit in einfacher und leicht verständlicher Sprache aufzubereiten. Die Satireschreiber beherrschen das Handwerk und perfektionieren es. Nur handelt es sich nicht um Begebenheiten, sondern um reine Phantasie. Sind sie dann die besseren Journalisten?

Am Ende aber ist es womöglich nur eine Verzweiflungstat derer, die den Glauben an Qualitätsjournalismus ob diverser Publikationen im letzten Jahrzehnt verloren haben. Derartige Satiremeldungen zu verfassen bedarf doch einiges an Aufwand und Phantasie. Diese beiden Fähigkeiten wären aus meiner Sicht wesentlich sinnvoller angelegt, würde man sie in ernstlicher Berichterstattung anwenden. Dann kann man auch gerne wieder ein paar Enten losschicken. Wir leben in einer Zeit, in der aus allen Richtungen der Glaube an grundlegende Dinge erschüttert wird.