Orte für produktive Gespräche

Produktive Gespräche finden nicht in der eigenen Komfortzone statt. Das ist für mich sicher.

Produktive Gespräche

Die produktivsten Gespräche – egal welcher Natur – finden für mich an einem Ort statt, auf den sich alle Parteien des Gespräches einigen können. Wenn ein Gesprächsteilnehmer mit der Ortswahl nicht vollkommen zufrieden ist, sollte alles getan werden, das Problem zu identifizieren und zu beheben. Oftmals reicht das Verlassen des Raumes und das wieder Eintreten. Oder man lüftet kurz, tauscht Plätze, … In vielen Fällen kann man ja selbst nicht bewusst festhalten, was der Grund für das Unbehagen ist. Bevor man sich also einer meist ergebnislosen Suche hingibt, experimentiert man lieber mit neuen Orten oder Perspektiven. Am Einfachsten lässt sich das bewerkstelligen, wenn man im Vorfeld des Gespräches einen Ort vereinbart, der auf allgemeine Zustimmung trifft.

Wer mich kennt, weiß, dass ich oftmals mitten im Gespräch den Ort wechsle. Und sei es nur einen Platz weiter. Aus meiner Sicht muss zu jedem Zeitpunkt während einer Unterhaltung die Freiheit bestehen, die Pose zu wechseln. Vom Sitzen zum Stehen, aus der Hocke heraus sich an einem Gegenstand abstützen, … Diese Freiheit fördert Kreativität und die Fähigkeit, dem Geschehen aufmerksam zu folgen und es steigert sich damit auch die Produktivität. Manchmal ist es auch erforderlich, den Ort als ganze Gruppe zu verlassen. Wir haben erst kürzlich in einem kreativen Sprint den Ort von meinem Studio in Freilassing nach Teisendorf in ein privates Haus verlegt, um uns die Umgebung zu schaffen, mit der alle Teilnehmer gut zurecht kommen.

Die eigene Komfortzone

Jeder schafft sich gerne seinen eigenen Space. Ein schönes Büro, ein tolles Studio, ein geräumiges Theater, eine leere Lagerhalle, eine Wiese oder eine Ruine. Jeder Mensch entfaltet sich anders und passt die Umgebung seinen eigenen Vorstellungen und Bedürfnissen an. Orte, die von vielen Menschen gleichermaßen benutzt werden, sind teils weniger individuell oder originell. Das Wohl der Allgemeinheit ging in vielen Fällen dem individuellen Gestaltungswillen vor. Orte, die von nur einer Person genutzt werden und keine persönliche Dekoration haben, zeugen von der fehlenden Kreativität oder der Phantasielosigkeit seines Nutzers. Aber gerade die Dekoration und Gestaltung dieses Ortes ist es ja, die den Komfort schafft. Man gestaltet seinen Space, um sich wohl zu fühlen und seine eigene Komfortzone zu schaffen.

Für produktive Gespräche mag das allerdings oftmals hinderlich sein. Wenn man so will, zwängt man seinem Gegenüber seine Individualität und seine Gestaltung förmlich auf. Das nimmt man lediglich auf der unterbewussten Ebene wahr. Es ist auch rein Natürlich dass dies geschieht. Viele Menschen kommen ja gerade aufgrund der inspirierenden Qualitäten eines gestalteten Ortes gerne wieder dorthin zurück. Man sollte unbedingt aber auch bedenken, dass gerade für einen ersten Kontakt oder ein persönliches Gespräch die eigene Komfortzone zu vermeiden ist. Am Besten betrachtet man in diesem Zusammenhang seinen eigenen Space als Stadion für ein “Heimspiel”. Alleine durch die Tatsache, dass man seinen eigenen Space als Ort für ein Gespräch vorschlägt, bedeutet, dass man sich einen Vorteil herausspielen möchte. Man eliminiert gewissermaßen einen unbekannten Faktor. Das ist für sich betrachtet völlig in Ordnung und das ist auch akzeptiertes soziales Protokoll. Gerade jedoch, wenn der gewünschte Gesprächspartner Bedenken am Ort des Treffens äußert, sollte man mit Feingefühl vorgehen und auf die Wünsche des Gegenübers eingehen. Vielen Menschen ist es nicht bewusst, dass der Ort für ein Gespräch eine taktische Entscheidung sein kann. In jedem Fall sollte man diejenigen respektieren, denen diese Tatsache bewusst ist. Fairer ist es in diesem Fall, den gemeinsamen unbekannten Faktor Ort zu akzeptieren. Damit hat man von vorne herein eine gemeinsame Basis für das zu führende Gespräch geschaffen.

Orte schaffen die Basis für menschliche Interaktion

Ein Ort, der menschliche Interaktion fördert, muss kreativ, inspirierend und aus der Zeit heraus gewachsen sein und lebendig. Wie zum Beispiel ein Wirtshaus oder ein kreativer Space, der sich niemals damit zufrieden gibt, dass eine Sache so ist, wie sie einst eingerichtet wurde, sondern ständig den Anforderungen angepasst wird und damit zum lebendigen Organismus wird.

Zum Abschluss noch eine Liste an Einflussfaktoren, die einen Ort ausmachen:

  • Verfügbarkeit von High-Speed-Internet
  • Umwelt (Sonne, Regen)
  • Einrichtungen wie Kaffeemaschine, Waffeleisen, …
  • Sanitäranlagen
  • Freiraum, Bewegungsfreiheit, Platzausnutzung