Der Countdown beginnt…

Saaldorf, 6. März 2016.  Es ist Samstag Abend – ein Abend, der zwar schwerfällig beginnt, später aber eine interessante Wendung für mich nehmen wird. Aber das kann ich jetzt natürlich noch nicht wissen…

Gerade aus dem Auto ausgestiegen, ärgere ich mich, dass ich beim Abendessen so eifrig zugelangt habe. Mein Körper ist müde, mein Geist verrückterweise umso wacher. Die Vorfreude auf einen aufregenden Abend im Kreise angenehmer Zeitgenossen, lässt mich die Steine in der Magengegend schnell vergessen. Bis ich die sagenumwogende Halle, wo heute der Ü30-Faschingsball von Saaldorf stattfinden wird, betrete, werde ich fröhlich in das heutige Event eingestimmt. Meine Begleitung prophezeit ein lustiges Publikum, mit seinen Worten: „Die wollen’s schon richtig!“ Bei dem Satz „Die Technik wird gefordert sein – bis ins Letzte!“, schlägt mein Herz höher. Eintausend Feierwütige werden mir versprochen, nun habe ich wieder Platz für einen kleinen Snack im Backstage. Es ist nicht das erste Mal, dass ich the lifeJACKs die Bühne rocken sehen werde, umso spannender ist es für mich, die Band auch mal hinter den Kulissen kennenlernen zu dürfen.

Kofferweise trage ich meine Technik in einen schummrigen Raum, der Lichtmann tätigt noch einige Einstellungen für die kommende Show, die Band steckt mitten im Soundcheck. Für einen kurzen Augenblick schweifen meine Augen durch den Saal, das rege Treiben mir bekannter und unbekannter Menschen verrät: Es ist die Unruhe vor dem Sturm – das was in wenigen Minuten auf uns zu rasen wird, wird laut sein, gar explosiv, Beine werden in die Höhe schießen, Arme der Schwerkraft trotzen, eine Rakete kündigt sich an. Die „Big Party“, die mir am Anfang versprochen wurde, steht unmittelbar bevor.

Die ersten Gäste füllen die Mehrzweckhalle in Saaldorf. Dann sieht man immer mehr Füße am Eingang vorbeischleichen, bunte Masken schweben Richtung Bar. Mein Feierabendbier muss leider noch warten. Motiviert platziere ich mein Gepäck zwischen dem Equipment der Band. Ich halte kurz inne – Moment: „Die Cases sehen sich zum Verwechseln ähnlich“, murmel ich vor mich hin. Schnell greife ich zu Stift und Zettel und verewige sechs markante Buchstaben auf meinem Material: “CHERET” springt nun in neon-grüner Farbe jedem Betrachter sofort ins Gesicht. Zugebenermaßen: Noch ist es nicht perfekt, für Feinästhetik ist später Zeit. In Sekundenschnelle war CHERET geboren, ein persönlicher Stempel, der mich und mein Netzwerk in Zukunft noch enger zusammenbringen soll. So kam es also, an jenem Samstag, das neben the LifeJACK’s nun ich als Marke, unverwechselbar und wunderschön, auf der Bühne strahlte – ganz so, als hätte ich nie etwas anderes getan…

Um der Band nicht gänzlich die Show zu stehlen, konzentriere ich mich wieder auf die Arbeit, schließlich soll heute noch ein Konzertmitschnitt entstehen. Als die Jungs die Bühne betreten, rauscht das Feuer in die Höhe –  ohne, dass man Zeit gehabt hätte, sich darauf vorzubereiten. Es brodelt und kocht, kräftige Stimmen reißen das Publikum mit – Entkommen: zwecklos. Dem “Life” im Namen machen die Musiker alle Ehre, so viel Lebensenergie zu später Stunde habe ich lange nicht gesehen. Bei ihrem letzten Set gegen Mitternacht geben die LifeJACK’s noch mal alles: Die Zuschauer toben als hätten sie die Party gerade erst betreten. Nach Hause gehen mag eigentlich niemand, doch der letzten Song muss kommen, er verheißt Abschied. Noch ein Ton und dann Abschiednehmen  – von großartigen Künstlern und einem unglaublichen Publikum, nicht jedoch von einer Erinnerung, die mich innerlich noch Tage beschäftigen wird. Ich bin so im Rausch, dass ich nicht einfach zusammenpacken kann, obwohl ich alles Wichtige im Kasten habe. Als letzte gute Tat für einen rundum gelungenen Abend greife ich den Veranstaltungstechniker beim Abbau unter die Arme. Müde und glücklich packe ich nun meine eigene Technik zusammen und mit ihr, nehme ich eine neue Identität mit nach Hause. Der Abend mit den LifeJACK’s hat meine Persönlichkeit “gebrandet”. Um halb fünf in der Früh verirre ich mich ins Bett, noch immer aufgeregt, denn schon heute ist Zeit für etwas Neues. Der Countdown läuft…Zehn…

Neun…neuer Tag, neues Setting, neue Location. Home sweet home. Der letzte Abend schwingt noch immer in meinen Ohren. Und mit ihm, ein neon-grünes Kind, das erwachsen werden möchte. Ich tüftel und tüftel…acht…zufrieden werden schließlich schlanke, unterbrochene Buchstaben in Holz gefräst. Sieben…CHERET, schlicht und gleichzeitig genial, verziert kurzerhand sämtliches Equipment, das mir in meine Finger gerät. Die gesetzte Schrift hat einen hohen Wiedererkennungswert: Unschuldig steht sie da, auf ihrem dunklen Untergrund ruhend, als wolle sie sagen: “I don’t need any crazy bullshit-stuff!” Diese Message ist stärker als jedes verspielte Detail, hinter dem sich Marken sonst gerne verstecken. CHERET ist ehrlich, unverwüstlich und authentisch. Wo CHERET drauf steht, ist auch CHERET drin. Gesagt, getan: sechs….Visitenkarten werden gedruckt. Niemand kann wegsehen, die auffällige Neon-Schriftfarbe wirft zunächst Fragen auf, lädt dann zum Handeln ein: Wer ist das? Was macht der? Ich will ihn! Der neue CHERET braucht eine geeignete Startbahn. Fünf, vier, drei, zwei, eins und…Relaunch! In simpler Schönheit tritt die Rakete ihre Reise an, fast still und dennoch nicht zu überhören, neue Ideen und Partner im Gepäck. Fazit meiner Reise: Das Potential eines Ü30-Faschingsevents sollte man nicht unterschätzen, mir verhalf es zu einem Personal Brand: Der Abend, VLOG #006, ist meine Story, spitz, für jeden in meinem Logo festgehalten, erzählt von CHERET, dem visual storyteller. Und was ist deine Geschichte? Lasst sie uns gemeinsam schreiben, erzählen, lasst uns von zehn herunter zählen, am Ende steht ihr, einzigartig und schön.